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Haseder Feldmarkmarathon

[liw] "Nimm die Jacke mit", hätte Mutti früher gesagt, wenn die Wolken so tief und dunkel am Himmel hängen, wie sie das heute über Hasede tun. Ich stehe im Startbereich des Feldmarkmarathon und friere. Im Radio wurde laufend davon gesprochen, dass seit gestern der meteorologische Sommeranfang ist. Zu spüren davon ist nicht viel: 9 Grad und der hässlicher Wind lassen mich schnell vom kurzärmligen auf das langärmlige T-Shirt umsteigen. Viel hilft das nicht, es bleibt kalt. Auch die anderen rund 40 Starter frieren oder sind eher winterlich angezogen.

Ich starte zum fünften Mal in Hasede. Normalerweise ist es hier eher heiß als kalt. Aber mein letzter Start ist auch schon vier Jahre her und wie jeder weiß, ändert sich heutzutage in einem solchen Zeitraum viel. Konstant geblieben ist die Startgebühr. Für günstige 13 Euro gibt es sogar noch eine Sporttasche dazu. Wer es billiger will, muss zu Fuß gehen!

In Hasede bin ich bisher immer gute Zeiten für das Startjahr gelaufen. In diesem Jahr mache ich mir keine besonders großen Hoffnungen. Andererseits: Man weiß ja nie! Zunächst müssen wir noch eine Viertelstunde länger frieren, weil sich der Marathon mit der Fronleichnam-Prozession in Algermissen terminlich und im Streckenverlauf überschneidet. Der katholische Feiertag Fronleichnam wird eigentlich 60 Tage nach Ostersonntag und damit auf einem Donnerstag gefeiert. Dass sich das mit einem Lauf am darauf folgenden Sonntag überschneidet, damit hat selbst der TuS Hasede nicht gerechnet. Wer denkt denn auch, dass die Gläubigen drei Tage unterwegs sind? Irgendwie passt das aber auch mit unserem Vorhaben zusammen.

Ein kleiner Haufen Marathonis (gemeldet waren 44 Teilnehmer) trifft sich um 8.15 Uhr am Start auf der Dechant-Bluel-Straße. Es gibt noch eine Reihe von Nebenwettbewerben, die die Anmeldezahlen auf 412 steigen lassen; diese starten jedoch erst später. Mit netten Worten werden wir dorthin geschickt, woher der Marathon seinen Namen hat: in die Feldmark.

In der Feldmark weht ein kräftiger Wind. Nur ab und zu wird er durch Büsche abgehalten; oder man hat Glück und er weht von hinten. In diesem Jahr sind zwei Halbmarathonrunden zu laufen. Bei meinen letzten drei Starts bin ich auf drei verschiedenen Wegen durch die Hildesheimer Börde gelaufen. Geschickt kombiniert der TuS Hasede die Streckenabschnitte und sorgt so für Abwechslung auf der Strecke, die man so gar nicht erwarten würde.

Wir streifen Klein Förste, überqueren die Autobahn A7 und den Stichkanal nach Hildesheim und laufen ein Stück in Richtung Harsum, dessen Kirchturm wir schon deutlich sehen. Rechtzeitig vor dem Ortseingang biegen wir links ab in Richtung Algermissen. Kleine Waldstücke und unterschiedlich bepflanzte Felder begleiten uns. Die Strecke ist erstklassig markiert und jeder Kilometer penibel ausgeschildert - sogar über die 100 m Differenz zwischen erster und zweiter Runde wird auf den Schildern hingewiesen.

An vielen Verpflegungsposten können wir uns an Wasser, Tee, Cola und Bananen laben. An nichts wird gespart, auch nicht an den Helfern, die zusätzlich zur Markierung uns an den kritischeren Abzweigungen einweisen. Das ist vorbildlich. Eher für die zweite Runde wichtig, ist die geistliche Unterstützung, die man sich an einem Kreuz kurz vor Algermissen holen kann. Ich versuche mein Glück: "Gesegnete Mutter Gottes von der heiligen Beschleunigung verlass mich nicht!"

Ich erkenne den Streckenverlauf des Elsternlaufs wieder, an dem ich im letzten Jahr teilgenommen habe. Heute streifen wir Algermissen jedoch nur kurz. Am Ortsausgang werden bereits Vorbereitungen für die Prozession getroffen. Noch gibt es keine Konkurrenz zwischen Gläubigen und Laufjüngern. Der Sieger berichtete bei der Siegerehrung, dass er dort einige Minuten warten musste; sie wurden ihm aber gut geschrieben.

Belohnt der himmlische Vater seine Schäfchen für die Mühen der Prozession? So scheint es. Auffällig ist, das genau hier sich die lang erwartete Sonne heraus wagt und uns wärmt. Sollte doch etwas dran sein?

Auf dem Lauf gibt es am Kanal drei kurze Steigungen, die auf jeder Runde zu bewältigen sind. Eine davon ist die Straßenbrücke über den Stichkanal. Hier überholt mich Andrea, die anbietet, auch mich mal zu fotografieren. Das nehme ich natürlich gerne an. Auf der Brücke ist in weiter Entfernung das Schloss Marienburg zu erkennen. Dort bin ich im November für einen Marathon gemeldet. Ob das Wetter dann ähnlich wie heute Morgen sein wird?

Der Rückweg nach Hasede führt nahezu komplett am Kanal entlang, mal direkt, mal ein paar Meter weiter entfernt. Auf Sichtweite laufen wir zu dritt auf diesem Weg. Beim ersten Halbmarathon durchlaufen wir in einem Abstand von nur wenigen Sekunden bei 1:56 Std. das Zwischenziel. Wer will, kann seinen Lauf nun beenden. Das will aber keiner, obwohl die zweite Runde wie üblich schwerer werden wird. Nach der identischen zweiten Runde trennen uns dann jeweils 5 Minuten. Joachim Herzmann schafft es als einziger von uns, unter 4 Std. zu bleiben. Andrea verpasst die Marke nur um knappe 12 Sekunden, wird mit ihrer Leistung aber 2. Frau. Mit meinen 4:05:59 Std. habe ich die 3 vorne zwar verpasst, aber meine beste Marathonzeit seit zwei Jahren erzielt und darüber hinaus eine Lücke im Ziel60-Plan gefüllt. Da will ich nicht unzufrieden sein!

Nach dem Zieleinlauf, dem Duschen und der Siegerehrung (bei der die Geehrten statt eines Pokals ein Brot bekommen) schaue ich mir noch die Marathonausstellung zum 35. Jubiläum des Laufs an. Der Feldmarkmarathon ist nämlich genauso alt wie die Stolpertruppe. Das sollte doch Grund genug sein, dass auch mal andere aus unserem Lauftreff in Hasede starten. Nur Mut, es lohnt sich!

Die Fakten

  • 35. Haseder Feldmarkmarathon
  • Start am 02.06.2013, 08:15 Uhr
  • 2 Runden á 21,0975 Kilometer
  • 42,195 Kilometer
  • 35 Finisher (32 M und 3 F)
  • Zeit der ersten Frau: 03:44:04
  • Zeit des ersten Mannes: 03:02:32
  • Weitere Informationen auf der Seite des [Veranstalters]

Berichte der Vorjahre

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