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Der Keufel hat den Schmerz gemacht

[liw] Saftig grüne Wiesen, kleine Ortschaften mit einer Kirche in der Mitte und gefällige Berge, die vollständig mit Bäumen bewachsen sind, so genau muss ein Mittelgebirge aussehen! Für die Modelleisenbahnidylle fehlt dem Pfälzer Bergland nur eines: Gleise. Darum konnte ich nicht mit der Bahn anreisen, sondern musste mich mit dem Auto zum 600 Kilometer entfernten Reichweiler durch den Pfingstreiseverkehr mühen.

Dort wollte ich beim KUT 85 Kilometer über Berg und Tal auf unwegsamen Gelände laufen. KUT ist die Abkürzung für Keufelskopf-Ultra-Trail. Schon im letzten Jahr hatte Christof daran teilgenommen, und als ich mir die Bilder von Lauf anschaute stand fest: Dort wollte ich unbedingt dabei sein! Schon im Dezember war ich für den Lauf im Mai angemeldet.

Nach acht Stunden Fahrt erreichte ich sechs Monate später Reichweiler und traf dort auf - niemanden. Nur einige sehr verdächtig nach Trailer aussehende Leute liefen schon durch den verschlafenen Ort. Am Treffpunkt, dem Dorfgemeinschaftshaus, war man aber noch mit dem Aufbau beschäftigt. Mir war es recht, so konnte ich mir noch den Ort ansehen.

Kurze Zeit später war die Meldestelle geöffnet. Dort erhielt ich meine bisher kleinste Startnummer; nicht die Zahl war ungewöhnlich niedrig, sondern das Format war XXS. Das laminierte Papierstück hatte gerade mal DIN A 6 Format - verglichen mit den alten zeichenblockgroßen Riesendingern des Rottorfer Volkslaufs wirken sie geradezu lächerlich klein. Nun gut, dafür ist der Lauf ja auch deutlich länger.

Ich war natürlich nicht gekommen, um Altpapier zu sammeln, sondern um mich mit anderen Laufverrückten zu messen. Oder doch nicht, denn eigentlich war die Strecke die Herausforderung. In den Bildern hatte ich schon gesehen, dass einige Steigungen nur mit Hilfe eines Seils zu überwinden sind. Und das regnerische Wetter in den letzten Tagen versprach auch ein matschiges Vergnügen. Das ich als Norddeutscher sowieso nicht gegen die einheimischen Bergfexe anstinken kann, war mir schon vorher klar. Ziel für mich morgen: durchkommen und so lange wie möglich cool rüberkommen.

In der an das Dorfgemeinschaftshaus angeschlossenen Gaststätte stärkten wir uns für morgen mit einer ordentlichen Portion Nudeln und alkoholfreien Weizenbier. Die T-Shirts der Gäste kündeten von vergangenen Großtaten im Berg- und Ultralauf. Ich war eindeutig "underequiped". Nicht nur, was das Hemd angeht. Aufgefallen war mir das schon beim Bettenbau auf der Bühne des DGHs, die in dieser Nacht als Gemeinschaftsunterkunft herhalten musste. Ich hatte weder Trail-Schuhe (was sich als wirklich blöder Fehler herausstellen sollte), noch Kompressionskleidung für die meisten Körperteile und auch keinen halben Kubikmeter Nahrungsergänzungsmittel und Gels dabei.

Auch hier gilt: Nicht bange machen lassen! Beim Nudelessen stellte ich erfreut fest, dass auch CaBaNauTeN starteten, die wie ich nicht zum ganz harten Kern der Truppe zählen. Ich hatte die Nudeln gerade aufgegessen, da traf die komplette Stolpertruppe Süd im DGH ein. Christof wird ebenfalls beim Ultra starten, während sich Norbert (noch) mit dem 45 Kilometer langen Marathon begnügt. Der Abend endete wie zu erwarten in Gesprächen über das Laufen und nur die frühe Startzeit verhinderte, dass die Gespräche genauso lang wurden, wie die Läufe, über die erzählt wurde.

Ab 22 Uhr war Bettruhe. Christof und Norbert hatten sich angesichts des zu erwartenden Schnarchkonzerts in ein nahes Hotel eingebucht. In der Gemeinschaftsunterkunft weckten um vier Uhr die ersten Mobiltelefone ihre Besitzer - und auch alle anderen. Richtig schlafen konnte ich ohnehin nicht, da kann ich auch aufstehen. Ein Dorfgemeinschaftshaus ist selbstverständlich nicht auf die Körperpflegebedürfnisse von 30 Übernachtungsgästen ausgelegt, sodass wir es bei einer Minimalpflege belassen. Wenn ob des Geruchs später im Wald die Blätter abfallen, schieben wir es einfach auf den Klimawandel. Zum Frühstück gab es belegte Brötchen und Kaffee, bei denen die Morgenmuffel noch weiter vor sich hindösten und die Munteren schon zu Späßen aufgelegt waren.

Kurz vor 6 Uhr versammeln sich die Marathonis und die Ultras im Startbereich vor dem DGH. Die Läufer des ebenfalls angebotenen 22 Kilometer langen Short-Trails werden erst später starten. Christof und Norbert waren so pünktlich gekommen, dass wir noch ein paar Beweisfotos machen konnten. Denn wer weiß, ob wir uns wiedersehen. Im Start- und Zielbereich haben Eric und sein Team einige Buden aufgebaut, an denen heute Nachmittag und am Abend die Zielverpflegung ausgegeben wird und der gesellige Teil der Veranstaltung stattfindet. Jetzt wollen jedoch erstmal alle auf den Trail, die Einweisung in den Lauf durch Eric fällt darum auch nur kurz aus.

Die Schnellen laufen schon im Dorf gleich vorne weg. Blöd nur, dass sie den Weg nicht kennen und die breite Masse einfach hinter ihnen herläuft. Das tun selbst die, deren GPS auf einer Karte anzeigt, dass wir hier falsch sind. Wer bisher an Schwarmintelligenz geglaubt hat: Dies war das Gegenbeispiel. Nach weiteren anfänglichen Orientierungsproblemen, bei denen die Letzten mehrmals überraschend zur Spitzengruppe werden, scheint sich das Läuferfeld auf dem richtigen Weg zu befinden. Sicher macht uns, dass Eric ohne zu widersprechen am Streckenrand steht.

Das Hin-und-her hat Christof und mich wieder zusammen gebracht - und wir bleiben für die nächsten Kilometer auch zusammen. Damit sich die Ultras nicht am Tempo der Marathonis orientieren, haben die die kürzere Strecke laufenden, ein M als Kennzeichen auf den Rücken. Im Moment, wo das Feld noch eng beisammen ist, laufen beide Gruppen bunt durcheinander.

Die Strecke führt zunächst über Wiesen. Doch schon bald begrüßt und ein Schild mit den Wörtern "Wege entstehen, indem wir sie gehen". Christof weiß vom letzten Jahr, was ihn heute erwartet, und möchte das Motto des Laufs auf einem Foto verewigt wissen. Kein Problem. Aber auch ich werde in wenige Sekunden wissen, was Eric mit der Aussage meint. Es geht eine Böschung hinunter, durch einen Bach und auf der anderen Seite wieder steil bergauf. Genau dies haben wir ja auch gesucht. Mit zwei halben Käsebrötchen im Bauch ist das außerdem noch kein Problem. Dass es jetzt ständig hoch und runter geht, wird sich den ganzen Tag nicht mehr ändern. Schließlich wollen die versprochenen 3 400 Höhenmeter auch irgendwo untergebracht werden. Ändern tun sich nur die Warteschlangen an den Hindernissen, das Feld zieht sich sehr schnell auseinander.

Ab dem dritten Kilometer laufen wir auf dem Fritz-Wunderlich-Weg, einer alten Eisenbahntrasse zwischen Schwarzerden und Freisen. Hier waren sie also, die von mir vermissten Gleise. Allerdings hätte ich schon sehr zeitig anreisen müssen, wenn ich diese Bahn zur Anreise verwenden wollte. Die Strecke wurde schon 1955 eingestellt und die Gleise 1969 demontiert. Die Brücken und Tunnel existieren noch heute. Bei Oberkirchen durchlaufen wir einen Tunnel und bald darauf ein Viadukt, das mit 12 Bögen das Osterbachtal überspannt.

Wir könnten dem flachen Wanderweg folgen, dürfen das aber nicht. Kurz hinter der Brücke ist der Weg nach rechts in den Wald markiert. Auch hier müssen wir Brücken überqueren, die aber aus Holz sind. Und es geht bergauf. Das Zwischenziel ist der 569 Meter hohe Weiselberg. Der Weiselberg besteht aus vulkanischem Gestein und gehört zu den Preußischen Bergen, von denen wir noch einige erklimmen werden. Warum die Berge preußisch heißen, weiß ich nicht, kriege ich auch nicht raus. Hier steht jedenfalls viel unter Naturschutz, weil es sich um "bedeutendsten Kulturlandschaftsausschnitte in den Mittelgebirgen mit einmaliger biotischer Ausstattung" handelt. "In großen Teilbereichen weist das Gebiet eine Landschafts- und Nutzungsstruktur wie in den 1930/40-er Jahren auf" und hat deshalb auf kulturhistorische Bedeutung. Sag ich doch: idyllische und heile Modelbahnwelt.

Wir haben die Grenze von Rheinland-Pfalz zum Saarland überschritten und die Strecke führt uns über Pfade immer mal wieder zurück zum Fritz-Wunderlich-Weg, um nach einigen Metern wieder in das Unterholz zu verschwinden. Zum Teil laufen wir auf Mountain-Bike Strecken, deren Hindernisse ich wohlweislich umlaufe.

Etwa beim Halbmarathon ist die Eiserne Brücke zu überqueren, die seltsamerweise aus Holzbohlen besteht. Durch sie kann man tief nach unten schauen. Dorthin, wo wir auch gleich entlang laufen werden. Wir verlassen die rutschigen Bohlen, um den (ebenfalls) rutschigen Abhang zum Fuß der Brücke zu laufen. Hier irgendwo verliere ich Christof, der deutlich schneller unterwegs als ich sein kann und dies nun auch mit recht tut.

Moderate Wege führen uns über Wiesen zurück nach Reichweiler. Die Westschleife des Trails ist damit beendet. Am ersten Verpflegungspunkt wird die Zwischenzeit genommen und wir können unsere Trinkblasen mit Wasser auffüllen. Zu essen gibt es nichts, denn das ist Teil des Spiels. Der KUT ist ein Lauf mit Teilautonomie, was insbesondere bedeutet, dass man seine Verpflegung selbst organisieren und mitschleppen muss. Für die VPs dürfen nur Eigengetränke abgegeben werden und es wird auch streng kontrolliert, dass an die Flaschen kein Snickers, Käsekuchen oder ähnliches festgeklebt ist.

"Wer bei einem flachen Stadtmarathon schon mal umgeknickt ist, braucht am Keufelskopf nicht anzutreten", zitiert Eric die Webseite des Stunt100. Und genau deshalb geht es gleich wieder bergan. Das Wetter war bisher etwas unentschlossen, bewölkt und diesig und nur ab und zu ein kleines Stück blauer Himmel. Jetzt ist es sonnig. Konstant anspruchsvoll bleibt die Strecke. "Es ist so alles drin was ein Trailer sich so wünschen kann", hatte die Ausschreibung versprochen. Und so klettern wir unter oder über Totholz hinweg, rutschen auf schmalen Trampelpfaden aus oder laufen durch Brennnesseln, die mich dank der Empfehlung, lange Hosen zu tragen, nicht sonderlich stören.

Der vulkanischen Vergangenheit der Berge ist zu verdanken, dass hier Achate abgebaut werden konnten - so lange, bis Importe billiger wurden. An den aufgelassenen Steinbrüche laufen wir entlang und nachdem wir einige matschige Kilometer quer durch den Wald hinter uns gebracht hatten, kommt auch endlich die erste Steigung, die nur mit Seil zu erklimmen ist. Deswegen bin ich ja eigentlich hier. Für unsere Mühen werden wir mit einem herrlichen Ausblick belohnt.

Gleich im Anschluss kommen noch zwei Kletterpassagen im Fels. Wer nicht trittsicher ist, überlegt sich jeden Schritt zweimal und obwohl nur noch wenige Läufer dicht zusammen laufen, kommt es dadurch zu kleinen Staus. Wer will bei einem Fehltritt auch gleich den Berg runterrasseln? Das ist die Sache nun auch nicht wert.

Wir nähern uns dem Namensgeber des Laufs, dem Keufelskopf. Vorher erinnern uns Erics Schilder aber noch daran, dass noch ein wenig Strecke vor uns liegt. Dem Schild "Wenn gar nichts mehr geht, ..." folgt ein paar Meter weiter "... 50 km Gehen (geht) immer noch". Den Keufelskopf erreichen wir über die Panzerstraße der Außenfeuerstellung Nr. 205. Von hier schießt die Artillerie auf Ziele des nahgelegenen Truppenübungsplatzes. Das Gefühl, unter der Fluglinie der Geschosse zu wohnen, mag ich mir nicht vorstellen. Ich brauche meine ganze mentale Kraft, um weiter der Ultrastrecke zu folgen. Wer nämlich am Keufelskopf die Nase voll hat, kann rechts statt links abbiegen und auf den Marathon verkürzen. 20 Ultras wiederstehen dieser Versuchung nicht.

Alle anderen werden am zweiten VP mit frischem Wasser belohnt. Für diesen Punkt gilt eine Cut-off-Zeit von 7:09 Std. Darauf habe ich eine Stunde sicheren Abstand und darf deshalb weiterlaufen. Noch vor dem ersten Marathon durchqueren wir Eckersweiler ohne das wir zur Kenntnis genommen werden. Der Ort hat zwar nur 136 Einwohner, Zuschauer waren bisher auf der ganzen Strecke selten. Genau genommen kann ich mich noch nicht mal daran erinnern, dass ich außer Helfern und anderen Läufern überhaupt jemanden begegnet wären; so abgelegen sind die Pfade, auf denen wir uns bewegen (oder so unzuverlässig ist mittlerweile mein Erinnerungsvermögen).

Auf einem dschungelartigen Streckenabschnitt, kurz vorm 42-Kilometerpunkt steht die Warnung: "Beware of the chair!" "Gut", denke ich mir, "Passe ich eben auf Stühle auf." Um die Ecke, nur hundert Meter weiter, hat der Stuhl schon sein erstes Opfer gefunden: Christof aus Köln. Neben dem Stuhl stehen drei Kisten Oettinger Pils, das sogar einigermaßen kühl ist. Bei einem Bier unterhalten wir uns über das heutige Ziel. Es ist schon jetzt klar, dass es knapp werden könnte - wir prognostizieren unsere Zielankunft 45 Minuten vor Zielschluss. Ist doch noch genug Puffer, oder?

Richtig verlaufen wäre mit diesem Puffer kritisch. Die Strecke ist zwar gut mit Flatterbändern markiert, sodass nichts schief gehen kann, trotzdem passiert es dann und wann. Meist wird der Irrtum aber schnell durch Fehlen einer Markierung bemerkt.

Ansonsten bleibt die Streckenbeschaffenheit so wie wir sie kennen: bergauf, bergab und quer durch den Wald. Aber auch breitere Forstwege haben ihre Tücken, denn leider sind diese Wege häufig mit großen Pfützen bedeckt. Mit vorsichtigen Schritten versuche ich am Rand trockenen Fußes weiter zu bekommen. An manchen vermeintlich trockenen Stellen versinke ich trotzdem bis zu den Knöcheln im Schlamm. Bähh!

Derzeit laufen wir die Traumschleifen des Saar-Hunsrück-Steigs. Das sind den schönsten Wanderweg 2009 begleitende Wanderwege, die zum Teil sehr anspruchsvoll sind. Gelbe Rapsfelder stehen in kräftigen Kontrast zum blauen Himmel. Das versöhnt mit den Mühen, die ich immer mehr spüre. In der Ferne liegt Baumholder, das direkt an einem großen Truppenübungsplatz liegt. Baumholder hat 4 000 Einwohner, in den amerikanischen Kasernen Smith Barracks und Wetzel Barracks sind 12 000 Soldaten stationiert. Etwas hinter der Stadt steht am Hang eine Liegebank, die mir sehr geeignet erscheint, in einer Pause den ganzen Dreck aus den Schuhen zu entfernen. Gleichzeitig hat man von hier einen schönen Blick auf den Truppenübungsplatz auf der anderen Bergseite - das klingt zwar seltsam, stimmt aber. Für diesen Übungsplatz mussten 14 Dörfer aufgegeben werden. Während ich meine Füße reinige, werde ich von Christof erneut überholt. Mal ist er vorn, mal ich. Das machen wir noch mehrfach auf diesen Streckenabschnitt.

Wir folgen dem Bärenbach. Wieder brauchen wir ein Seil, um die Steigung zu überwinden, die zu einer Höhle, dem Wildfrauenloch, führt. Was leicht schlüpfrig klingt, geht auf eine Sage zurück. In der 6 Meter tiefen Höhle soll eine mit Dolch und Keule bewaffnete Frau von ungewöhnlicher Größe und Wildheit gewohnt haben. Sie ist heute nicht zuhause und wir dürfen ungehindert passieren.

Es geht auf 18 Uhr zu, ich muss mich um meine Unterkunft für heute Nacht kümmern. Christof und Norbert hatten für mich in ihrem Hotel ein Zimmer reserviert, ich wusste aber nicht, ob sie dabei nicht eher von ihrer Zielzeit ausgegangen sind. Da ich länger brauche, kündige ich meine Verspätung lieber an. Auf einer dicken Buche breite ich mein "Waldbüro" aus.

Die Strecke steigt wieder an. Oh, man. Wer aus der Kindheit das Gefühl noch kennt, mit denen die Eltern auf den Wanderungen im Urlaub versucht haben, uns vorwärts zu treiben, kann ungefähr nachempfinden, wie es mir im Moment geht. Aufgeben gilt nicht, außerdem ist die Batterie meines Garmin am Ende, sodass ich ohne die Markierung sowieso nicht zurück finden würde. "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!" hieß es schon früher einmal in anderem Kontext.

Kurz vor der letzten Verpflegungsstelle treffe ich Christof wieder. Er kündigt an, am nächsten VP auszusteigen. Das ist schade, sieht er doch noch ganz fit aus. Am Verpflegungspunkt an einer Straße treffe ich auf andere Mitläufer, 40 Minuten vor dem Cut-off. Für die letzten 16 Kilometer haben wir noch 3 Stunden Zeit, das sollte machbar sein. Und wieder: Erst quer durch den Wald, bergauf und an einer als Tiertränke genutzten Badewanne vorbei. Dann öffnet sich der Wald und gibt den Blick in das Tal auf Thallichtenberg und die über den Ort thronende Burg Lichtenberg frei. Obwohl weit und breit kein Verkehr ist, hallt lautes, von Ansagen unterbrochenes Motorengeräusch hier herauf. Verursacher des Lärms ist ein Autocross in Pfeffelbach. Wie leise ist doch unser Laufcross dagegen; nur ab und zu ein lautes Fluchen, "Nein, nicht noch ein Berg", stört die Waldesruhe.

Der letzte Kontrollpunkt bei Kilometer 80 kommt etwas überraschend: An einem Bach, hinter einem Baum sitzt der Zeitnehmer, der nur wissend lächelt, als ich hoffnungsfroh feststelle, dass ich es ja nun fast geschafft habe. Nun beginnen sie, die mystischen, letzten fünf Kilometer, über die jeder schweigt, der den KUT schon gelaufen ist - jedenfalls jeder, mit dem ich darüber gesprochen habe. Ich will es also auch so halten. Nach dem Zieleinlauf hatte ich zu Eric gesagt, dass die letzten fünf Kilometer ja so nun wirklich nicht hätten sein müssen. "Wieso?", fragte er, "Das ist meine normale Jogging-Runde." Mag sein und ohne zu viel zu verraten: Ich glaube ihm nicht. Niemand sucht sich freiwillig so eine Jogging-Runde aus.

Bei Kilometer 84 treffen wir auf einen Festplatz, auf dem sich Jugendliche im Koma-Trinken üben. Die Stimmung ist hoch und zum ersten Mal wird uns zugejubelt. Gerne nehmen ich die promillegetrübte Anfeuerung entgegen. In einer großen Schleife geht es um den Ort und die Orientierungsprobleme auf den letzten Metern meistere ich auch. 39 Sekunden vor dem Zielschluss komme ich nach 15 Std. 34 Min. und 21 Sek. wieder am DGH an. Eine lange Zeit für 85 Kilometer. Ich bin mir nicht sicher, ob dies die schwierigste Strecke war, die ich je gelaufen bin. Sicher bin ich mir aber darin, dass es der anstrengendste Lauf war, an dem ich je teilgenommen habe. Aber ich habe es geschafft und im Moment ist auch alle Anstrengung vergessen. Dankend nehme ich die Gratulation von Eric und allen anderen entgegen, die noch im Zielbereich sind. Auch Christof, den ich nach dem Marathon am Stuhl getroffen hatte, gratuliert mir. Den Dank gebe ich gerne zurück!

Im letzten Jahr hatte Christof (Achtung, nun ist der von der Stolpertruppe Süd gemeint) ein Bild von sich im Ziel untertitelt mit: "Keufelkopf überlebt". Nun weiß ich, was er damit gemeint hat - und er hat recht!

Der KUT ist in jedem Fall eine Wiederholung wert. Leider ist die Anreise aus Winsen recht weit. Einige Tage nach dem Lauf hat Eric auf seiner Webseite bekannt gegeben, dass 2014 die Deutsche Meisterschaft der DUV im Ultra-Trail auf dieser Strecke ausgerichtet wird. Das wär doch noch ein Grund für die Wiederholung. Norbert, Christof, wie sieht es aus?

Die Fakten

  • 5. Keufelskopf Ultra-Trail
  • Start am 18.05.2013, 06:00 Uhr
  • 3400 Höhenmmeter
  • 85,9 Kilometer
  • 126 Finisher (111 M und 15 F)
  • Zeit der ersten Frau: 10:47:46
  • Zeit des ersten Mannes: 08:35:00
  • Weitere Informationen auf der Seite des [Veranstalters]

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