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Eindrücke vom Trail du Petit Ballon d'Alsace

[Christof] Es ist das ausgeklammerte Klimageschehen, das den fleißigen Fließband-Läufern in den diversen Fitness-Companies um die richtig eindrucksvollen Erlebnisse bringt. Gemeint ist die Vielfalt der Eindrücke, die die Laufschuhe in 5-20cm tiefem Schlamm unterschiedlichster Konsistenz und variierender Hangneigung hinterlassen. Beim 10. Trail du Petit Ballon am Sonntag gab es ausreichend Gelegenheit solche Wegebeschaffenheiten und exogenen Prozesse zu durchdenken. Regen genug und nach dem verpassten Start hatte die Herde der 800 Vorgänger/innen im durchweichten Boden ganze Arbeit geleistet.

Die Frage nach Gummistiefeln für Trail-Läufer verblüffte mich nicht. Schön auch die Umschreibung eines Schlamm-Schnee Sorbets an der Grenze zwischen November-Grau und Winter-Weiß. Was sich ein Läufergehirn so alles ausdenken kann, Norbert. Das mit den Klimamembranen habe ich nach 15 Jahren endlich auch angefangen: 20km trockene Füße auch dank der Stulpen. Toll, dann aber Plitsch-Platsch bei jedem Schritt, die Membran lässt scheinbar auch nichts mehr aus dem Schuh heraus, was einmal angestaut ist. Vielleicht falsch herum eingenäht.

In weiser Voraussicht jedenfalls haben die Veranstalter die Streckenführung angepasst und die unsymmetrische Doppelacht von Rouffach zum Kleinen Belchen-Gipfel mit den Knotenpunkten Neuland (km 5,5/46,5), Osenbach (km 15,3/40,9), Boenlesgrab (km 24,6/32,4) erstmals in entgegengesetzter Richtung und leichten Variationen laufen lassen. Auch gut fürs Ego, dass dabei knapp 50km und mit 2300 angegebenen auch zusätzliche Höhenmeter erreicht wurden. Die engen, steilen Trail-Passagen im Schnee oben wären bergab nicht ohne Massenstürze ausgegangen. Doch bergan konnten wir aus der Bobbahn immer wieder auf das Unterholz ausweichen, wo der Schnee noch griffiger und genug Holz zu greifen war.

Petit dann auch der Schneesturm im Bereich der Höhenlagen um den zu erahnenden Gipfel des Kleinen Belchen. Dort half ich einem prominenten Läufer wieder auf die Beine, den ich beim Sturz schon als den "Christof von Biel" erkannte: Vizeweltmeister im Long Distance Mountain Running Championship, seit dem Jungfrau-Marathon im letzten Jahr. Unglaublich, der läuft M75 in kurzen Hosen dort oben und schimpft nur über seine ungeschickte Schuhwahl. Immerhin gewinnt "Christof von Biel" trotz dieses Handicaps an diesem Tag wieder seine Altersklasse. Chapeau.

Bergab wird es dann etwas problematisch für die Mehrzahl, die ohne Schneeketten läuft. Einzelne Stürze sind jetzt nicht mehr zu vermeiden. Wenige bleiben liegen, Muttersprachler kümmern sich aber glücklicherweise um die Gestrauchelten. Mein zweiter Sturz endet geologisch korrekt am Felsgestein, was weniger Erkenntnisse zur Trennung von Schwarzwald und Vogesen, als eine Schulterprellung nach sich zieht. Kein Problem, denn gelaufen wird ja in erster Linie mit dem Kopf und dann mit den Beinen, aber nicht mit der linken Schulter.

Wirklich schlimm ist die feuchte Kälte wohl nur für die Zuschauer, Wegweiser und sonstigen lieben Helfer/innen an den Verpflegungspunkten. In so einer wunderschönen Landschaft wie den elsässischen Weinbergen, Hexenhäuschen-Knusperdörfern und den Vogesen-Höhenlagen würden die doch gerne die Märzsonne unten im Frühling, oben im Schnee, genießen. Auch ich hätte mich gerne zu Landschaftsimpressionen hier geäußert, aber das waren diesmal nicht die vordringlichen "Eindrücke", wie schon gesagt.

Mit unserer moderaten Mittelfeld-Zeit jenseits der 6,5 Stunden hatten wir als klassische Warmduscher dann Angst vor der Suche nach den offiziellen Umkleiden. Ein Kaufhauseingang am Parkplatz wurde zum Wechsel der 4 schweren Schichten gegen zwei saubere, trockene genutzt. Das wunderte dort niemanden, die Bevölkerung ist den Anblick jener geschundenen Kreaturen an diesem Tag scheinbar gewöhnt. Die Starter/innen aller Läufe zusammen machen mit 2000 mengenmäßig fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung von Rouffach aus. 50 Minuten später ist dann Freiburg erreicht, Radarkontrollen hat es wohl glücklicherweise in diesem Dauerregen nicht gegeben.

Nachtrag: Im Ziel ein schönes Laufshirt und eine modernes Badetuch in verschiedenen Farben. Toll, dazu die Flasche Crémant d'Alsace, die wir ebenso wie den rechtzeitigen Start allerdings verpassten, zeichnen den Trail du Petit Ballon als einen der erfrischend wenig kommerziellen Läufe aus. Wir kommen wieder, oder Norbert? Und dann schreibe ich vielleicht, was es Spannendes zu den Mythischen Orten im Elsass zu berichten gibt.

Euer Christof

Die Fakten

  • Trail Petit Ballon
  • Start am 17.03.2013
  • 49,7 Kilometer
  • 2300 Höhenmeter
  • 720 Finisher (632 M und 88 F)
  • Zeit der ersten Frau: 04:51:11
  • Zeit des ersten Mannes: 03:52:16
  • Weitere Informationen auf der Seite des [Veranstalters]

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